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too long; didn't read

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Foto: re:publica/Britta Pedersen

Wenn ihr, liebe Leser*innen der Freitag-re:publica-Beilage, mit euren Augen bis zu diesen Zeilen gewandert seid, kann das durchaus als bemerkenswert gelten. Warum? Im Jahr 2016 fand ein Team von Forscher*innen der Columbia University etwas gleichermaßen Offensichtliches wie Beunruhigendes heraus. In einer Studie wurden 2,8 Millionen Tweets zu knapp 60.000 Inhalten ausgewertet. Das Ergebnis: 59 Prozent der Menschen teilten einen Inhalt, ohne dass dieser überhaupt geklickt wurde. Das heißt: Fast zwei Drittel haben von einem Beitrag, einem Artikel, einer Bilderstrecke maximal die Überschrift gelesen – und den Inhalt ungelesen weiterempfohlen.

Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, digitale Trends nicht als etwas von der Gesellschaft Abgegrenztes, sondern als etwas aus der Gesellschaft Erwachsenes zu betrachten. Deshalb steht die diesjährige re:publica unter dem Motto „tl;dr“. Das Kürzel „tl;dr“ steht für „too long; didn’t read“, also „zu lang; nicht gelesen“. Im Netz ist der Ausdruck bereits seit langem gebräuchlich – und mit der allumfassenden Digitalisierung unserer Gesellschaft ragt das Konzept auch in andere Bereiche hinein. Längst überfliegen wir nicht nur Artikel in den sozialen Medien. Die Vielzahl an Informationen visueller und akustischer Art nötigt uns zum ständigen Filtern.

Daher widmen wir die re:publica 19 dem Kleingedruckten. Den Fußnoten. Der Kraft der Recherche, dem Wissen und der Kontroverse. Der Notwendigkeit und Dringlichkeit, die Themen kritisch zu hinterfragen, die polarisieren, uns spalten – oder auch vereinen. Wenn Verkürzungen zu simplen Parolen und Slogans werden, die missbraucht werden, um die Gesellschaft zu spalten und demokratische Systeme zu zerstören, müssen wir mit Wissen und Information, mit Empathie, Dialog und Solidarität dagegenhalten.

Wir möchten gemeinsam mit unseren Teilnehmer*innen, Speakern und der Community aktuelle Fragestellungen und Themen der (digitalen) Gesellschaft beleuchten. Wir werden miteinander reden, diskutieren und streiten – aber mehr denn je werden wir in die Tiefe gehen, unterschiedliche Perspektiven betrachten, analysieren, reflektieren und durchdenken. Denn: Es bleibt komplex.

Die digitale Gesellschaft

Kaum ein Ort ist dafür besser geeignet als die re:publica, denn einen echten Verhandlungsort für die Themen der digitalen Gesellschaft gibt es anderswo nicht, wie unser Mitgründer und Geschäftsführer Andreas Gebhard auf Seite 10 in dieser Beilage erläutert. Mitgründer Markus Beckedahl spricht über die Chancen und Herausforderungen der digitalen Gesellschaft. Warum ein echter Austausch zudem nur unter Einbeziehung der jungen Generation gelingen kann, erklären die re:publica-Mitgründer*innen Tanja Haeusler und Johnny Haeusler auf Seite 4.

Wir wünschen euch viel Spaß auf der #rp19 und beim Lesen dieser Beilage – auch abseits der Überschriften.