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„Nur mit dem Team“

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Foto: re:publica/Gregor Fischer

Wer auf die re:publica-Bühne will, muss sie und das Programm-Kommittee überzeugen. Die re:publica-Berlin-Programmleiterin erklärt, wie das Programm zusammengestellt wird.

Die #rp19 vereint im Programm Dinge und Menschen, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. Was verbindet die Kunst mit dem Weltraum? Und was hat das mit dem Internet zu tun?

Fantasie und Leidenschaft! Das sind verbindende Elemente. Ich habe beispielsweise Biologie studiert, um danach Kunstwissenschaft zu studieren, weil ich neugierig bin und das für mich gar keine Widersprüche sind, sondern sich die Disziplinen ergänzen und gegenseitig befruchten. Aber simpel gesagt: Wissen macht Spaß, und die Formen des Wissens, der Wissensvermittlung und -darstellung sind so unglaublich verschieden. Mit dem Internet kann das viel zu tun haben, denn letztendlich geht es ja um ein „Mindset“ und nicht zwingend um Anwendungen und Tools. Prinzipien wie Open Source, Open Access, dezentrales, gleichberechtigtes Arbeiten: Das hat die künstlerischen Avantgarden genauso interessiert wie Menschen, die IT-ideologisch aktiv sind.

Welche thematischen Schwerpunkte setzt die re:publica in diesem Jahr und warum?

Ich sehe die re:publica in Berlin im größeren Zusammenhang, über mehrere Jahre hinweg, als eine Narration – gerade seitdem ich das Programmteam leite. Haben wir beispielsweise bei „Love out Loud“ (2017) auf das Gute im Netz fokussiert, auf die „organisierte Liebe“, so setzten wir den Gedanken auf der #rpPOP (2018) mit „Fe:male Digital Footprint“ oder auch mit dem Motto-Schwerpunkt „Populär versus populistisch“ fort. Andersherum gibt es Themen, bei denen wir bewusst sagen: Dafür schaffen wir dieses Jahr Raum, etwas anderes tritt dafür etwas kürzer. Dieses Jahr setzen wir Schwerpunkte auf Nachhaltigkeit und Digitalisierung, auf emanzipatorische Technologien beziehungsweise Emanzipation und technologische Anwendungen. Wir besinnen uns bei alledem stark auf die Community(s) zurück, schaffen für sie buchstäblich Platz – im Programm sowie auf dem Gelände selbst.

Wie bekommt man knapp 1.000 Speaker, wie sie letztes Jahr auf der re:publica Berlin waren, organisiert?

Das ist tatsächlich der anspruchsvollste Teil der Programmplanung. Ich bin jedes Jahr überrascht oder eher ergriffen von dieser schieren Lust, bei der re:publica mitzumachen. Gleichzeitig kann das auch überwältigend sein: 1.000 Ideen zu lesen, zu vergleichen und abzuwägen ist eine unglaublich anstrengende Arbeit, wenngleich sie auch Spaß macht. Mein Ziel ist es, so viele Menschen wie möglich glücklich zu machen. Sie mit einer Zusage zu ermutigen, weiterhin an gesellschaftlichen Prozessen teilzunehmen, macht die Arbeit auch zu einer politischen. Darauf bin ich stolz. Sie dann zu organisieren ist dank unseres großartigen Teams möglich. Wir haben ein unglaublich tolles IT-Team, das hilft, das massive Konferenzsystem zu bezwingen. Anschließend bewertet das Programm-Team alle Sessions, blickt auf Genderbalance und stellt ein ausgewogenes Verhältnis in puncto Sprache, Geschlecht und Themen her. Nichtsdestotrotz merke ich: Selbst mit viel Willen gibt es jedes Jahr etwas, das es schwierig macht, die hehren Ziele eines zufriedenstellend ausbalancierten Programms zu erreichen. But we’re getting there!