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„Einzigartig und nötig“

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Foto: Gregor Fischer/CC BY 2.0

Wo geht man hin, wenn man sich über die digitale Gesellschaft informieren möchte? Andreas Gebhard meint: Einen anderen Ort als die re:publica gibt es dafür bis heute nicht.

Du organisierst die re:publica seit 2007. Was hat sich denn in den vergangenen Jahren maßgeblich verändert?

Zuallererst ist natürlich aus einem überschaubaren Team ein riesiges Team geworden, mit dem wir eigentlich das ganze Jahr über die Veranstaltung vorbereiten. Das fängt damit an, dass wir anfangs überhaupt keine angestellten Mitarbeiter*innen hatten und mittlerweile ein Team sind, das 365 Tage im Jahr daran arbeitet, die Veranstaltung noch besser und schöner zu machen. Letztes Jahr kam noch das Netzfest dazu, wo 10.000 Besucher*innen waren. Und auch die re:publica an sich hatte 2018 an allen Tagen circa 19.000–20.000 Besucher*innen.

Das heißt, eure Themen kommen an.

Natürlich ist die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit gigantisch. Man kann ja in der Woche der re:publica kaum das Fernsehen oder das Radio anschalten oder die Zeitung aufschlagen, ohne etwas über uns zu lesen. Die Themen der digitalen Gesellschaft sind in der Gesellschaft angekommen, und dem tragen wir unter anderem auch mit dem Netzfest Rechnung. Das ist unser großes Publikumsfest, wo sich auch Leute, die sich nicht als Fachbesucher*innen verstehen, mit den Themen der digitalen Gesellschaft auseinandersetzen können.

Welche Themen sind das denn dieses Jahr?

Wir haben mit dem Motto „too long; didn’t read“ (tl;dr) den Trend adressiert, dass viele Informationen nur noch häppchenweise aufgenommen werden, dass die Überschrift oder die Bildstrecke reichen muss, um sich vermeintlich umfangreich informiert zu fühlen. Und wir haben schon immer einen holistischen Ansatz bei der re:publica verfolgt. Wir wollen eine Zeitgeist-Dokumentation der digitalen Gesellschaft sein. Wir definieren Digitalisierung nicht als Trend, sondern gehen davon aus, dass wir in ihr leben, ob wir das wollen oder nicht. Und da spielen bei uns alle Themen eine Rolle. Ich kann mich da schwer auf einzelne Schwerpunkte festlegen, auch angesichts der Tatsache, dass wir rund 1.000 Sprecher*innen haben werden.

Ein Angebot für die gesamte Gesellschaft. Das klingt recht ambitioniert.

Das ist in der Form einzigartig und leider auch notwendig. Es ist ja eigentlich total skandalös, dass so eine monumentale Veränderung in der Gesellschaft keinen Ort der Verhandlung hat. Und es gibt auch keine Rollenmodelle. Politiker*innen sind mit dem Thema augenscheinlich ja vielfach überfordert. Und es gibt darüber hinaus wenig Menschen, an denen man sich orientieren kann. Da haben wir die re:publica eben als Ort, wo man auch hingehen und sich informieren kann, wenn man kein*e Expert*in ist.

Wie wird es denn in Zukunft weitergehen mit der re:publica?

Das ist eine gute Frage. Wir haben in diesem Jahr tolle Neuerungen und viele neue Flächen. Wir haben also deutlich mehr Platz, um Interessierte aufzunehmen. Was aber klar ist: Es muss sich weiterhin anfühlen, wie eine re:publica sich anfühlt: dazu gehören eine hohe Aufenthaltsqualität, eine hohe Detailverliebtheit und eine echte Festival-Atmosphäre.