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Stille vor dem Schuss

Viele akademische Vorträge werden aus Pflichtgefühl besucht, doch als Jacques Rancière im Januar im Berliner Centre Marc Bloch über 1968 sprach, war das anders. Eine Stunde vor Beginn war der Saal halb voll (das passiert sonst nie), später sitzen Juniorprofessoren wie Studenten auf dem Boden, um ihm zuzuhören. Rancières Interpretation dessen, was als „Mai 1968“ die Ereignisse und Folgen dieses Jahres zusammenfasst, ist positiv, sein Ton hoffnungsvoll: ’68 sei ein großes Ereignis gewesen, ein Neubeginn für die Politik, er macht sich ein bisschen lustig über Soziologen wie Raymond Aron, die das damals nicht so sahen.

Aron, Pierre Bourdieu, Louis Althusser, Jean-François Sirinelli – Rancière nennt viele seiner Kollegen, nur Hannah Arendt erwähnt er nicht. Sie hatte schon 1970 in Macht und …

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