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Dorf am Grenzwald

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Die Tante der Autorin hatte acht Kühe. Schura hat eine, und die ist der Mittelpunkt des Alltags

Foto: Michael Trippel/laif

Spätsommer 1996, die kleine Frau steht am Gartenzaun und wickelt unser Gespräch routiniert ab. „Ein Foto? Natürlich!“ Sie zupft den Ausschnitt ihres bunten Kittels zurecht, bindet das Kopftuch ab und schaut ernst. Nach dem Klick des Auslösers streckt sie die Hand aus und nennt den Preis: „Mark!“ Sie hebt zwei Finger, also zwei Mark.

Sergej, der mich hartnäckig „Elisabeth“ nennt, lacht und geht mit mir weiter. Wir machen einen Rundgang durch sein Dorf, das auch einmal das Dorf meiner Mutter war. Das hatte er verstanden, dazu war nur ein Wort nötig gewesen. Mutter, hatte ich gesagt – und mit den Armen einen Halbkreis gezogen. Um uns herum kilometerweit Disteln,…

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