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Sächsische Amnesie

Käme man im Sommer her, man müsste es wohl idyllisch nennen: das Zschopautal in Sachsen. Jetzt ist es einfach nur eisig. Die dunkle, kalte Erde knarzt unter jedem Schritt, eine dünne Schicht Pulverschnee hüllt das Tal in sanfte Kälte. Chemnitz ist eine halbe Stunde entfernt, das Städtchen Frankenberg nur wenige Minuten, da taucht hinter einer Kurve eine Fabrik auf. Ein großer, graubeiger Klotz thront in dem von schroffen, bewaldeten Hängen umgebenen Tal auf einer Flussinsel. Oberhalb wacht das Schloss Sachsenburg, weiße, schmucklose Fassade, dunkles Dach – leer. Ein erst vor Kurzem erneuerter Fußweg führt den Hang hinauf.

Doch schon wenige Schritte vom Parkplatz entfernt wird ersichtlich, dass dieser Ort alles andere als eine idyllische Vergangenheit hat. An der Uferbefestigung sind ein…

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