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The week

from 24. until 30. March 2021

NATO und Russland

Zweifelhafte Offerte

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Foto: Getty Images

Die NATO-Außenminister wollen wieder mit Russland ins Gespräch kommen und dazu den NATO-Russland-Rat nutzen. Dieses Gremium liegt seit Juli 2019 brach. Es beleben zu wollen, scheint angesichts der gespannten Beziehungen sinnvoll, doch die an Moskau formulierte Einladung klingt nicht danach. Man suche zwar den Dialog, so US-Außenminister Blinken, wenn sich Russland aber „feindselig“ verhalte, werde man es „zur Rechenschaft ziehen“. Eine maßregelnde Sprache entkräftet die diplomatische Absicht. Kaum anzunehmen, dass sich Außenminister Lawrow als Gesprächspartner auf Probe versteht, dem Wohlverhalten abverlangt wird, um der NATO nähertreten zu dürfen. Lutz Herden

Bertrand Tavernier

Neugier und Großmut

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Foto: Imag Images

Lange Zeit war sein Name eines der Synonyme für französisches Kino. Nicht nur, weil es fast jedes Jahr einen Film von ihm gab, sondern auch, weil er sich leidenschaftlich einsetzte für alles, was mit Kino zu tun hatte. Der Jazz-Film Um Mitternacht (1985) ist sein vielleicht bekanntestes Werk, wobei der Blick auf die lange Liste seines Schaffens offenbart, dass es den typischen Tavernier-Film gar nicht gibt. Sozialdramen folgten auf Literaturadaptionen, Kostüm- auf Polizeifilme. Das Tavernier’sche an ihnen ist nicht der Stil, sondern etwas Tieferes: Großzügigkeit, Neugier, eine gewisse Nachsicht mit den Figuren. Am 25. März ist Tavernier gestorben, einen Monat vor seinem 80. Geburtstag. Barbara Schweizerhof

Gleichstellung

Mutter, Mutter, Kind

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Foto: Getty Images

Im Juni 2017 beschloss der Bundestag die „Ehe für alle“. Der Gesetzgeber revolutionierte die Ehe, was fehlt, ist eine Reform des Abstammungsrechts. Mit der Folge, dass Elternschaft für queere Familien ein bürokratischer Hürdenlauf ist. Bei Hetero-Ehepaaren gilt: Bekommt die Frau ein Kind, ist der Ehemann automatisch der Vater, selbst wenn er das biologisch nicht ist. Bei lesbischen Ehepaaren bleibt der nichtleiblichen Mutter nur der lange Weg der Stiefkindadoption. Das Oberlandesgericht Celle hält das für verfassungswidrig. Es fehle eine Regelung für gleichgeschlechtliche Paare, so das Gericht. Nun entscheidet Karlsruhe, wo man bei der LGBTIQ-Gleichstellung oft weiter war als die Politik. Martina Mescher

Bolivien

Ex-Präsidentin in Haft

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Foto: Getty Images

Es wirkt wie ein Fluch der bösen Tat. Übergangspräsidentin Jeanine Áñez muss in Untersuchungshaft. Ansonsten sei Gefahr im Verzug, heißt es. Was angesichts der Schwere gegen sie erhobener Vorwürfe kaum zu leugnen ist. Áñez werden Terrorismus, Verschwörung und Volksverhetzung zur Last gelegt. Dazu sei es gekommen, als sie sich daran beteiligte, im November 2019 den damaligen Staatschef Morales unter putschähnlichen Umständen zu stürzen und ins Exil zu zwingen. Seinerzeit hatte es eine umstrittene Präsidentenwahl gegeben, die das Land polarisierte und die Armee eingreifen ließ. Áñez hatte die daraufhin ohne demokratisches Mandat etablierte Rechtsregierung geführt. Lutz Herden

Ausgedacht & draufgesetzt

IQ-Test: negativ. Hurra!

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Es gibt zu wenige Covid-Tests. Das Team Spahn/Scheuer steht in der Verantwortung. Es strengt sich an und ordert ein paar Milliönchen von den Dingern. Leider unterläuft ihnen ein winziger Fehler. Sie bestellen Intelligenztests. Kaum ist die Lieferung da, testen die beiden Herren sich selbst: negativ. Hurra! Auch an den Schulen, nach Monaten des Homeschoolings – endlich Ende vom Licht im Tunnel. Kaum eine Schülerin, kaum ein Schüler fällt noch positiv auf. Von ARD und ZDF, die ihr Personal checken, hört man: Bombenquote. Vom Fußball: Rollt! Und die deutschen Unternehmen? Die Dienstleistungsbranche will in einigen Wochen loslegen, aber man ist sich sicher: Da kommt nix. Karsten Laske