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La vie en rose

Elf war ich, als mir mein Vater Anna Karenina in die Hand drückte – mit einem vielsagenden Blick. Hätte er mir doch Agatha Christie gegeben oder diesen Scaramouche, ja! Immer einen Scherz auf den Lippen, stets bereit zu einem Scharmützel! Stattdessen, wieder ein Russe! Lustlos blätterte ich in dem viel zu dicken Band, überflog ein paar Seiten, sog mich an dem ein oder anderen Begriff fest, bis sich ein Bild formte, das Bild einer wilden, romantischen Frau. Mitten in mein Mädchenherz traf der Satz: „Liebe und Freiheit schließen sich aus.“

Liebe spielte zunächst jedoch keine Rolle. Mein Vater hielt es für geboten, meine éducation sentimentale auf Tolstoi zu beschränken und mich mit den materiellen Bedingungen vertraut zu machen. In einem postnazistischen mittelfränkischen Dorf, an dessen …

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