Loading

#Jenesaisquoi

Draußen herrscht Krieg. Drinnen parlieren die russischen Salonlöwen über Gott und die Welt, möglicherweise geschockt von dem, was andere erleben, aber letztlich sicher in ihrer eigenen Existenzblase. Die Gleichzeitigkeit von Leid und Luxus hat Leo Tolstoi in seinem 1869 erstmals erschienenen Monumentalroman Krieg und Frieden anschaulich dargestellt. Im Salon der Anna Pawlowna trifft sich der Adel zum Diner, derweil im Rahmen des napoleonischen Russlandfeldzugs die Schlacht bei Borodino tobt. Kann man ihnen das Vergnügen vorwerfen? Und was ist mit den Theaterzuschauern, die in die Münchner Kammerspiele gehen, um sich die Premiere der Performance War and Peace, frei nach Tolstois Roman, anzuschauen, während im nahen Belgien die Folgen der Selbstmordattentate verarbeitet werden?

Dass Tolst…

To read the full article / issue please login with your Freitag-ID. If you're not a subscriber of Freitag digital please choose one of our offers below.