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1996: Der Spielverderber

Da bohrt sich ein Stachel ins Mark fragwürdiger Gewissheiten und ein als geregelt geltendes Geschichtsbild wirkt plötzlich angekratzt. Mitte April 1996 erscheint eine Studie des US-Soziologen Daniel Jonah Goldhagen zu den Tätern der Shoa als Vorabdruck im Wochenblatt Die Zeit. Kurz darauf bringt der Siedler-Verlag das Buch Hitlers willige Vollstrecker. Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust heraus. Es basiert auf der mit etlichen Auszeichnungen bedachten Dissertation Goldhagens und stößt auf vehemente, teils ressentimentgeladene Abwehrreflexe bei Historikern, Publizisten, der deutschen Öffentlichkeit überhaupt. Die Anwürfe können so weit gehen, dem Autor unter Verweis auf dessen jüdische Herkunft einen „umgekehrten Rassismus“ zu unterstellen.

In den Augen seiner Kritiker hat sich G…

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