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Spur der Scherben

Der Chreschtschatyk, Kiews Prachtboulevard, der stellenweise bis zu hundert Meter in die Breite geht, verleugnet den Zuckerbäckerstil aus Sowjetzeiten so wenig wie heutiges Business. In den wuchtigen Gebäuden haben sich teure Boutiquen und Magazine, dazu Bistros und Restaurants eingenistet. Von den explosiven Verhältnissen im Osten ist hier wenig zu spüren. Die glitzernden Auslagen der Modeateliers bekannter westeuropäischer Marken werden von Stalin-Gotik gerahmt und verkünden den Sieg des Kapitalismus. Manche Läden muten an wie Einschusslöcher im Architekturensemble postsowjetischen Zuschnitts.

Über den Chreschtschatyk flanieren Einheimische wie Touristen, elegant gekleidete Frauen verabreden sich mit gut angezogenen Männern. Überall stehen kleine Kioske, die Kaffee brühen oder Tee mit…

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