Loading

Ein weibliches Wogen

Man stelle sich vor: Der Autor treibt seinen spitzen Kuli durch die Schichten der Vergangenheit, er löscht Existenzen aus, erschreibt sich neue Wesen, in denen sich die leibhaftigen nicht wiedererkennen. Welch eine Allmacht! Welch eine Bedrohung! „Einen Schriftsteller in der Familie zu haben, ist genauso, wie mit einem Mörder verwandt zu sein“, erklärt der Vater in Was nie geschah. Stammte dieser Satz nicht von Art Spiegelman, müsste der Tochter angst und bange werden. Nadja Spiegelmans Risiko hält sich jedoch in Grenzen: Der Vater, Pulitzer-Preisträger und Schöpfer der Graphic Novel Maus, förderte selbst in Interviews, Text und Bild die Geschichte seiner Familie zutage. Die Tochter schreibt sich ein in diese Tradition, mit dem Unterschied, dass sie nur den Müttern eine Stimme verleiht.…

To read the full article / issue please login with your Freitag-ID. If you're not a subscriber of Freitag digital please choose one of our offers below.