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The week

from 1. until 7. March 2018

Brasilien

Frisierte Beweise

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Foto: Imago

Erst machen die Anwälte von Ex-Präsident Lula (Foto) geltend, dass Dokumente, die das Bauunternehmen Odebrecht gegen ihren Mandaten vorgelegt hat, manipuliert waren. Dann räumt mit Fernando Migliaccio ein Mitarbeiter des Baukonzerns ein, dass die Justiz frisierte Beweise erhielt, berichtet das Portal amerika21.de. Es sei gezielt nach Überweisungen gesucht worden, die Lula als Schmiergeldzahlung angelastet werden konnten. Tatsächlich soll die Firma ein Landhaus im Bundesstaat São Paulo renoviert haben, das dem Politiker gar nicht gehörte, aber von dessen Familie zuweilen genutzt wurde. Lula drohen zwölf Jahre Haft, seit im Januar ein Berufungsverfahren gescheitert ist. Lutz Herden

Studie

Klasse für sich

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Foto: Imago

Sozialer Aufstieg ist in Deutschland noch schwieriger als bisher angenommen. Eine Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft und der Universität Madrid kommt zu dem Ergebnis, dass Aufstieg hierzulande massiv vom Status der Vorfahren abhängt. Bildungsgrad und Berufsstand der Urgroßeltern lassen noch heute auf den Status ihrer Nachfahren in der vierten Generation schließen. Da ist von Lebensumständen und gesellschaftlichen Netzwerken die Rede, aber auch von vererbten Begabungen. Aufstiegsgene? Wer Pierre Bourdieus Studien über Habitus, Statusbewusstsein und kulturelle Codes, die den Zugang zur gehobenen Gesellschaft regeln, gelesen hat, schüttelt da den Kopf. Martina Mescher

Schweiz

Solidarisch

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Foto: Getty Images

„Schweiz: Sternstunde. Demokratie“, kommentierte der Philosoph Wolfram Eilenberger auf Twitter: Keine 30 Prozent der Abstimmenden wollten die Gebühren für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, die SRG, abschaffen und den Rundfunk gleich mit. Eilenberger spielte auf die Sendung „Sternstunde der Philosophie“ an, die man zu den Sternstunden eines Programms zählen kann, dessen Seichtheiten auch Gegnern der Initiative bekannt sind. Da aber die mächtigen Deutschschweizer mit ihren Gebühren nicht zuletzt die Vollprogramme der italienischen und französischen Schweiz subventionieren, darf man auch von einem Sieg des Solidaritätsgedankens sprechen. Michael Angele

Rechte Demonstrationen

Alle nach Kandel

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Foto: Imago

Während das Kooperationsverbot zwischen AfD und Pegida im Osten gefallen ist, scheinen sich auch im Westen verstärkt Bewegungen in Kontakt mit der Partei zu formieren. In der südpfälzischen Stadt Kandel, wo ein minderjähriger Asylbewerber vor zwei Monaten seine 15-jährige Ex-Freundin erstochen haben soll, fanden am Samstag gleich vier Demonstrationen statt. Die größte folgte dem Aufruf einer lokalen AfD-Politikerin, eine weitere hatte ein der rechten Szene nahestehender Mannheimer angemeldet. Dazu gesellten sich zwei Gegendemonstrationen von Zivilgesellschaft und Antifa. Insgesamt waren Angaben der Polizei zufolge etwa 4.500 Menschen auf der Straße. Leander F. Badura

Afghanistan

Auffallend konziliant

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Foto: Getty Images

Es wirkt wie ein flehentlicher Appell, soll es aber nicht sein. So nachdrücklich jedoch sind die Taliban seit ihrem Sturz 2001 wohl nie gebeten worden, die Waffen ruhen zu lassen und das Land mitzuregieren. Jedenfalls hat Präsident Ashraf Ghani (Foto) nach der zweiten Konferenz des „Kabul-Prozesses“ die Aufständischen zu Gesprächen über ein umfassendes Friedensabkommen eingeladen. Sie könnten als politische Partei legalisiert werden, sofern im Gegenzug die derzeitige Verfasstheit des afghanischen Staates Anerkennung finde. Für die Taliban war ein solches Ansinnen bisher allein deshalb unannehmbar, weil dieser Staat aus ihrer Sicht nur dank ausländischer Militärmacht existiert. Lutz Herden