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Anlesen ohne Nackte

In den frühen Zehnerjahren unterhielt ich mal eine gutgehende Kolumne in einem kleinen, feinen ostdeutschen Kulturmagazin mit Nacktbildern, in der ich die Praxis des Reinlesens abfeierte. Die Idee hatte ich von Wolfgang Herrndorf geklaut, der sich mal den „König der ersten Seite“ nannte, weil er die gesamte deutsche Gegenwartsliteratur durch die Online-Leseproben auf Amazon draufhatte. In meiner Kolumne beschränkte ich mich streng auf eine Rezension der ersten Seite und gab abschließend eine Weiterlesewahrscheinlichkeit in Prozent ab.

Dieser Trick gestattete es mir, bis in unwirtliche Regionen der Bestsellerlisten vorzustoßen, in denen sprachsensiblere Seelen normalerweise lesend nicht lange überleben. Für diese Folge möchte ich gern ein kleines Revival des kritischen Anlesens unternehm…

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