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The week

from 2. until 8. March 2017

Indien/USA

Irritationen

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Foto: AFP/Getty Images

Zunächst glaubte Indiens Premier Modi, dass seine hindunationalistische Regierung mit der Trump-Administration auskommen werde. Grund für diese Erwartung waren anfängliche Attacken gegen den Erzrivalen China und das Einreiseverbot für Bürger muslimischer Länder. Schneller als gedacht drehte der Wind. Zunächst drosselten US-Behörden die Vergabe von Arbeitsvisa an indische IT-Spezialisten, wodurch Zehntausende nicht mehr als Dienstleister in die USA reisen können. Dann gab es die Gewalttat in Kansas, wo ein US-Marine nach rassistischen Pöbeleien in einem Lokal einen indischen Gast erschoss. Bisher vermied es die US-Regierung, Delhi das Bedauern auszusprechen. Lutz Herden

Transparenz

Begrenzt einsichtig

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Foto: imago

Das Informationsfreiheitsgesetz gibt Bürgern das Recht, Akten von Behörden über Verwaltungsvorgänge anzufordern. Theoretisch, denn oft werden die Informationen ungern rausgerückt. Das zeigt das Transparenz-Ranking der Initiative „Mehr Demokratie“. Hamburg ist vorbildlich, dort sind Unterlagen zu Projekten wie der Elbphilharmonie frei zugänglich. In Bayern scheitert die Forderung nach mehr Transparenz an der CSU. Der Journalistenverband berichtet von Ministerien, die eine Akteneinsicht für schlappe 24.000 Euro anbieten. Und in Hessen? Da geht man wissenschaftlich an die Sache ran. Zum Thema Transparenz wurde eifrig evaluiert, nur die Ergebnisse sollen geheim bleiben. Martina Mescher

Gewerkschaft

Doppelt kassiert

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Foto: imago

Seit Jahren inszeniert sich Rainer Wendt (Foto) als Kämpfer für Recht und Gesetz. Die Bild kürte den Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft sogar zum bekanntesten Polizisten der Republik. Dass er als Gewerkschafter und omnipräsenter Talkshow-Gast noch nebenbei Dienst auf der Wache schiebt, konnte man sich nicht vorstellen. Das tat er auch nicht, aber den Sold für eine Stelle als Hauptkommissar in Duisburg kassierte er trotzdem. Nun hat er den Job quittiert, auf eigenen Wunsch, sagt er. Wie freiwillig das war, ist fraglich. Die Sache mit dem Kommissarsgehalt ist halt aufgeflogen. Und deshalb könnte der Fan von Law and Order nun selbst ein Fall für die Justiz werden. Martina Mescher

Provenienz

Umstrittener Kandinsky

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Foto: pa/SZ Photo

Wassily Kandinskys Das bunte Leben (1907) zählt zu den Glanzstücken des Münchner Lenbachhauses. 1972 hat die BayernLB es gekauft und dem Museum als Leihgabe übergeben. In New York klagen nun Nachfahren der ursprünglichen Besitzer auf Herausgabe oder 80 Millionen Dollar. Die Biografie des Bilds spricht Bände, 1940 wurde es mit anderen Werken aus jüdischem Privatbesitz in Amsterdam verauktioniert. 2015 kontaktierten die Erben die BayernLB. Die Limbach-Kommission hätte angerufen werden können, die in NS-Raubkunstfällen berät, doch die Bank soll gefordert haben, das Bild in jedem Fall in München zu lassen. Eine Anmaßung, nun ist dieser Weg keine Option mehr. Christine Käppeler

Nordirland

Sinn Féin siegt

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Foto: AFP/Getty Images

Auch wenn sie noch nicht stärkste Kraft wurde, ist die katholische Sinn Féin mit 27 Mandaten klarer Sieger der Nordirland-Wahl. Die protestantische Democratic Unionist Party (DUP) von Premierministerin Foster kam nur auf einen Sitz mehr. Das 1998 geschlossene Karfreitagsabkommen verpflichtet probritische Unionisten und nationalistische Katholiken, gemeinsam zu regieren, ansonsten greift Londoner Zwangsverwaltung. Prinzipiell ist Sinn-Féin-Chefin Michelle O’Neill (Foto) dazu bereit, sagt aber zugleich, nach diesem Votum müssten die Gewichte anders verteilt werden, zumal die DUP den Finanzskandal um ein staatliches Förderprogramm für Erneuerbare Energien zu verantworten hat. Lutz Herden