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Der Sturm ist da

Selten hat man in der Lyrik so viel Elend und Grauen gelesen wie um 1900. „O meine Zeit! So namenlos zerrissen“, schreibt Wilhelm Klemm. Ernst Stadler sieht auf den Straßen nur noch „zertretne Leiber“, spricht von „Worten, denen Leben längst / entglitten“ ist. Keine Vision, alles am Nullpunkt. Man befindet sich, wie in Alfred Lichtensteins Gedicht Nebel, längst im Verfallsprozess: „Wir aber, die, verrucht, zum Tode taugen, / Zerschreiten knirschend diese wüste Pracht.“

Die Umwälzungen sind gigantisch: Es tobt der Klassenkampf, die Industrielle Revolution trimmt den Menschen auf Beschleunigung, die Städte platzen aus allen Nähten. Theorien treten an, alles infrage zu stellen, woran man zuvor glaubte. Sei es Freuds Entdeckung des Unbewussten, Darwins Verständnis der Evolution oder die Kamp…

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