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The week

from 14. until 20. February 2019

Opern-Streit in Halle

Politik oder Musik

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Weil die Realität so trist ist, wärmen sich derzeit viele Theaterfreunde an der politischen Haltung eines Bühnenwerkes. Das gefällt den Journalisten, und auch das großstädtische Publikum freut sich. In ländlichen Regionen sieht die Sache anders aus. An der Oper Halle hat diese Arbeitsweise zu einer Halbierung der Abonnements geführt. Der seit 2016 im Amt befindliche Intendant Florian Lutz steht hausintern unter Druck. In einem an die Presse weitergegebenen Brief an den Aufsichtsrat kritisiert das nichtkünstlerische Personal, es gehe nur noch um die Vermittlung politischer Botschaften, kaum mehr um Musik. Am 22. Februar will der Aufsichtsrat in der Sache eine Entscheidung treffen. Christian Baron

Krise in Haiti

Rücktritt oder Aufruhr

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60 Prozent der Bevölkerung Haitis gelten offiziell als arbeitslos, mehr als die Hälfte lebt mit 2,5 Dollar pro Tag unterhalb der Armutsgrenze. Perspektiven sind im ärmsten Land der westlichen Hemisphäre für viele nicht vorhanden. Nachdem es schon seit Monaten brodelte, brachte ein unlängst erschienener Bericht des Rechnungshofs das Fass zum Überlaufen: Die Regierung unter Präsident Jovenel Moïse soll 100 Millionen Dollar an Hilfsgeldern für sich abgezweigt haben. Seitdem erschüttern gewalttätige Proteste das Land, die sich vor allem gegen Moïse richten. Öffentliche Einrichtungen und weite Teile der Wirtschaft stehen still. Moïse verweigert sich bislang allen Rücktrittsforderungen. Valentina Gianera

Widerstand gegen Amazon

Standort oder Schandort

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Einige Immobilienspekulanten dürften Trauer tragen. Noch bis vor wenigen Tagen schien der Tipp zur Anlage in Immobilien im New Yorker Stadtteil Queens eine sichere Sache zu sein. Denn Amazon plante, am East River ein neue Zentrale zu errichten. Amazon machte sich Hoffnungen auf Steuervergünstigungen in Höhe von beinahe drei Milliarden US-Dollar. Anwohner und Politiker fanden diese Steuerzusagen überzogen. Außerdem fürchteten sie, das Preisniveau könnte steigen und der Wohnungsmarkt noch hermetischer werden. Der Konzern verzichtet nun auf den Standort, um nicht ihn und zusätzlich sich selbst noch mehr als ohnehin schon zum Schandort zu machen. Christian Baron

Unterhalt

Papa oder Vater Staat

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Für Alleinerziehende ist das Risiko, zu verarmen, groß. Kommt kein Geld vom Ex, springt der Staat mit dem Unterhaltsvorschuss ein. Niedrige Löhne und prekäre Arbeitsverhältnisse sind ein Grund für ausbleibende Unterhaltszahlungen. Es gibt aber auch solvente Elternteile, die ihrer Pflicht nicht nachkommen wollen. Mit 2,1 Milliarden Euro ist der Staat voriges Jahr in Vorkasse gegangen. 2017 wurde der Unterhaltsvorschuss ausgeweitet, vorher gab es ihn zeitlich begrenzt nur für Kinder bis zum zwölften Lebensjahr. Die Reform war überfällig, mit der Umsetzung hapert es allerdings. Es fehlt Personal, auch wenn es ums Geldeintreiben geht. Die Rückholquote lag 2018 bei 13 Prozent. Martina Mescher

Asylpolitik

Sicher oder unsicher

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Im Januar wurde im Bundestag ein Gesetz verabschiedet, das Georgien, Algerien, Tunesien und Marokko als sichere Herkunftsstaaten einstufen soll. Asylsuchende aus diesen Ländern hätten dann kaum noch eine Chance. Im Bundesrat herrschen andere Mehrheitsverhältnisse, 2017 scheiterte die Regierung dort mit dem Vorhaben. Vorige Woche nahmen die Bundesländer das Gesetz von der Tagesordnung. Mit Ausnahme Baden-Württembergs hatten die Länder mit grüner Regierungsbeteiligung angekündigt, sich zu enthalten. Nicht zugestimmt hätten auch Länder, in denen die Linke mitregiert. In den Maghrebländern werden Journalisten, Oppositionelle und Homosexuelle politisch verfolgt. Martina Mescher