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Ein integrer Feigling

Für einen Komponisten in Sowjetrussland war eine schlechte Kritik kein Fliegenschiss. Vor allem nicht, wenn der Rezensent zufälligerweise Josef Stalin hieß. Im Januar 1936 erschien in der Prawda ein Leitartikel, der „genug Grammatikfehler enthielt, um einen Verfasser anzudeuten, der unter keinen Umständen korrigiert werden konnte“. Dmitri Schostakowitschs Oper Lady Macbeth von Mzensk sei Chaos statt Musik, hieß es darin. Dem Artikel folgte ein Aufruf an den Komponisten, im KGB-Hauptquartier vorstellig zu werden und diverse Kollegen zu denunzieren.

Schostakowitsch hatte Glück im Unglück: Die Säuberungen hatten ihren Zenit erreicht, und sein Verhöroffizier wurde verhaftet, bevor es dem Komponisten selbst an den Kragen gehen konnte. Seine Musik zu spielen war jedoch nicht mehr sicher. Darü…

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