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1947: Klabautermann

„Ich stehe draußen, wieder draußen. Gestern Abend stand ich draußen. Heute steh ich draußen. Und die Türen sind zu. Und dabei bin ich ein Mensch mit Beinen, die schwer und müde sind. Mit einem Bauch, der vor Hunger bellt. Mit einem Blut, das friert hier draußen in der Nacht.“

So winselt, stöhnt, schreit, flüstert, klagt, denkt und schweigt Beckmann, der ehemalige Unteroffizier von der Ostfront, als er im Winter 1946/47 durch Hamburg taumelt, wo die Schornsteine zerbombter Häuser wie Leichenfinger in den Himmel zeigen. Mit Beckmann kehrt kein Odysseus heim. Es kriecht eine Kreatur herum, bittet und bettelt um Zuflucht, aber die Türen sind zu. Beckmann, dieser Archetyp des Schicksals, ist die Hauptfigur in Wolfgang Borcherts Drama Draußen vor der Tür, das am Abend des 13. Februar 1947 vom…

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