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Gute Tränen

Mein Blut gefriert. „Scheißausländer“, flüstert Bjarne* mir gerade ins Ohr. Bjarne, der mindestens schon eine Ehrenrunde gedreht hat, einen Kopf größer und zwei Jahre älter ist, sitzt seit der dritten Klasse neben mir. Ich gehöre zu den drei, vier nichtdeutschen Kindern der Klasse, habe auch deutsche Freunde, das kann Bjarne aber nicht ertragen. Er jagt einen Jungen und mich über den Schulhof, zwingt uns vor Mitschülern, Schnee zu essen, und streut Chili in unsere Augen. Einmal stellt er uns in einem kleinen Raum zwischen Wand und geöffnete Tür und rammt einen Einkaufswagen, der dort steht, so lange gegen die Tür, bis durch die Wucht mein Herz so klopft, dass ich Todesangst bekomme. Die Anrufe bei Bjarnes Eltern verhallen. So versuchen wir Gejagten uns selbst zu helfen. Wir kommen erst …

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