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The week

from 14. until 20. January 2021

Maredo ohne Belegschaft

Der Markt regelt das

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Foto: Imago Images

Im Jahr 2009 entwarf eine Werbeagentur für die Tierkadaverkette Maredo eine Kampagne, die ein gegrilltes Steak zeigt, darauf wie mit einem Brennstempel hineingesengt der Spruch: „Wenn man Tiere nicht essen soll, warum sind sie dann aus Fleisch?“ Der bestellte Shitstorm zog auf. Weniger im Fokus stand, dass der DGB dem Unternehmen seit Jahren vorwirft, Betriebsräte und Gewerkschafter zu gängeln und vor die Tür zu setzen. Die Strategie ging zuletzt nicht mehr auf. Was der Markt zu regeln begann, finalisierte die Pandemie: Im März kam die Insolvenz, nun entließ man fast die gesamte Belegschaft. Was bleibt, ist der Versuch, die arg ramponierte Marke zu verscherbeln. Christian Baron

Maas ohne Maß

Recht auf Kneipe

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Foto: Imago Images

Der Friedensnobelpreis ist ihm fast sicher. Und doch muss kein Außenminister weltweit so unterhalb der Wahrnehmungsschwelle rudern wie der deutsche. Heiko Maas beeindruckt in Riad und Kairo mit filigran eingefädelter Nahostdiplomatie. Er telefoniert täglich mit dem Elysée, wo Macron lechzt nach der Expertise vom Werderschen Markt. Auch gibt es schon den Termin beim neuen Amtskollegen in Washington, lange bevor Merkel bei Biden antreten kann. Nur verraten darf Heiko Maas davon noch nichts. Was so schwerfällt. Worüber also reden, wenn man nichts zu sagen hat? Übers Recht auf Kneipe für die Geimpften! Dieser Minister wird nicht nur verkannt, er ist unterfordert. Lutz Herden

Kevin ohne Trump

Raus mit ihm!

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Foto: Imago Images

Es sind sechseinhalb Sekunden. So lange dauert die Begegnung zwischen dem kleinen Kevin und Donald Trump in Kevin: Allein in New York (1992), dem Sequel zu Kevin: Allein zu Haus (1990). Es ist längst nicht der einzige Cameo von Trump in Film und Fernsehen, aber nach dem bereits zweiten Impeachment wurden die Forderungen, ihn aus dem Weihnachtsklassiker herauszuschneiden, lauter. Die flinken Bastler der sozialen Medien machten sich einen Spaß daraus, Trump durch diverse Star-Wars-Figuren oder gleich Joe Biden zu ersetzen. Kevin-Darsteller Macaulay Culkin selbst twitterte seine Unterstützung; sogar für den Vorschlag, an Trumps Stelle sein eigenes, nun 40-jähriges Ich einzusetzen. Barbara Schweizerhof

Uganda

In der Endlosschleife

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Foto: Getty Images

Es sind 58,7 Prozent, die ihm die Nationale Wahlkommission zuerkennt. Dem 76-jährigen Yoweri Museveni beschert das nach 35 Jahren an der Macht die nächste Präsidentschaft für Uganda, das als Hort der Stabilität in Afrika gilt. Herausforderer Bobi Wine (34,8 Prozent) spricht von Betrug, bleibt aber Konkretes schuldig. Längst ist Museveni nicht mehr der unumstrittene Führer des Landes. Zu oft hat er die Verfassung zu seinem Vorteil ändern lassen. Noch Mitte der 1990er zählte er zur Loge der Reformer, die sich einer afrikanischen „Perestroika“ verschrieben hatten. Was ihn vereinte mit Paul Kagame in Ruanda, Laurent-Désiré Kabila im Kongo oder Jerry Rawlings in Ghana. Lutz Herden

„Fachkräfte“

Menschen und Kosten

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Foto: Getty Images

An ein und demselben Tag meldete Der Spiegel online: „Bundespolizei zerschlägt internationale Schleuserbande“ und „Fachkräftemangel bleibt trotz Pandemie ein Problem“. Wer den Zusammenhang sucht, entdeckt ihn im Sprachgebrauch, der sich auch in vielen anderen Medien findet. Mit dem dämonisierenden Schleuser-Begriff sind Fluchthelfer gemeint, die ein Geschäft aus der Not von Menschen machen, weil sich die EU die Aufnahme von Flüchtlingen nicht leisten will. In der zweiten Meldung mahnt die Bertelsmann-Stiftung, Deutschland brauche mehr hochqualifiziertes Personal aus dem Ausland. Und die Moral von der Geschicht’: Wer was einbringt, darf rein. Die anderen nicht. Christian Baron