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The week

from 9. until 15. January 2020

Libyen

Zweite Front

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Foto: Getty Images

Für die Verbündeten von Premier al Sarraj ist das eine mittelschwere Niederlage. Bisher hatten Milizen aus Misrata die Hafenstadt Sirte beherrscht. Seit wenigen Tagen steht der auch für die Ölausfuhr wichtige Ort unter Kontrolle der Nationalarmee von General Haftar. In Tripolis war die Einnahme von Sirte zunächst vehement geleugnet worden. Später ruderte man zurück, und es hieß: Die Kräfte aus dem eigenen Lager hätten sich zurückgezogen, um Blutvergießen zu vermeiden. Der Vorstoß Haftars auf Sirte wird als direkte Reaktion auf die Entsendung türkischer Soldaten gewertet. Damit ist eine zweite Front eröffnet, die sich Haftar leistet, weil er auch vor Tripolis vorankommt. Lutz Herden

Energiewende

Im Gegenwind

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Foto: Getty Images

Die von der Großen Koalition eingerichtete AG zur Steigerung der Akzeptanz für die Energiewende war kein Erfolg. Der Protest gegen Windenergie hat Hochkonjunktur. Ernüchternd fällt die Jahresauswertung der Fachagentur Windenergie aus. Der Bau neuer Windräder ist auf den tiefsten Stand seit mehr als 20 Jahren gesunken. 2019 wurden nur 276 neue Windkraftanlagen in Betrieb genommen. Die meiste Leistung aus Windenergie erzeugt Brandenburg, wo 2019 immerhin 57 neue Anlagen in Betrieb gingen. In Baden-Württemberg waren es fünf, in Hessen vier. In beiden Ländern gehören die Grünen zur Regierung. An politischem Rückenwind dürfte es dort eigentlich nicht mangeln. Martina Mescher

Slowakei

Mordgeständnis

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Foto: Getty Images

Die Ermordung des slowakischen Journalisten Ján Kuciak und seiner Verlobten Martina Kušnírová im Februar 2018 führte zu Massenprotesten und zum Rücktritt von Premier Robert Fico. Wie die ermordete maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia war Kuciak an den Panama Papers beteiligt. Zum Zeitpunkt seines Todes recherchierte er zu Verstrickungen der regierenden Sozialdemokraten mit dem organisierten Verbrechen. Der Hauptverdächtige, der ehemalige Soldat Miroslav Marček, hat nun die Tat gestanden. Der Unternehmer Marián Kočner wird als Auftraggeber verdächtigt, da sich Kuciaks Recherchen auf dessen Geschäfte bezogen. Er schweigt zu den Anschuldigungen. Mladen Gladić

Kriminalität

Delinquente Phase

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Foto: Imago Images

Geht es um junge Straftäter, fordern die Anhänger einer Law-and-Order-Politik gern eine Null-Toleranz-Strategie: Auch auf leichte Straftaten sollen schnelle Verurteilungen folgen. Harte Strafen haben in dieser Logik die Funktion der Abschreckung, um Jugendliche davor zu bewahren, auf die schiefe Bahn zu geraten – wofür, wissenschaftlich gesehen, allerdings nichts spricht. Denn wer als Jugendlicher kriminell wird, bleibt es in der Regel nicht sein Leben lang. Das haben Forscher der Universitäten Bielefeld und Münster in einer Langzeitstudie festgestellt. Das Meiste regele sich von selbst, ganz ohne Eingreifen der Strafjustiz. Hilfreich seien aber Familie, Freunde und Vereine. Martina Mescher

Idlib

Dosierte Hilfe der UNO

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Foto: Getty Images

Wer profitiert von der humanitären Unterstützung der UNO in der syrischen Nordprovinz Idlib? Sind es auch islamistische Kombattanten in ihren Enklaven, dann soll das verhindert werden, vorrangig durch die Auswahl der Transportrouten für Medikamente und Lebensmittel. So etwa lässt sich die Position Russlands und Chinas beschreiben. Beide Staaten hatten im UN-Sicherheitsrat zunächst gegen eine Fortsetzung des Programms gestimmt. Werden die Hilfslieferungen nun doch weitergeführt, ist das an eine Bedingung gebunden: Ab sofort dürfen die Konvois nur noch den Weg über zwei von der Türkei kontrollierte Grenzübergänge nehmen, nicht mehr wie bisher über vier. Lutz Herden