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Die Welt schweigt uns an

Ende 2017, an jenem Tag, an dem die 16-jährige Jesidin Maskin durch eigene Hand starb, zog erster Herbstregen über das Zeltlager. Die Wege wurden schlammig, die Planen flatterten im Wind. Vielleicht, sagt Maskins Bruder Shuoer, sei es der nahende Winter mit seiner Dauer, Kälte und Trostlosigkeit gewesen, der seiner Schwester endgültig die Lust auf das Leben genommen habe. Sie sei schon lange vor ihrem Selbstmord verstummt, doch habe sich niemand viel dabei gedacht. Still und traurig seien schließlich die meisten im Lager.

Als man ein Jahr später im Flüchtlingsrefugium Esyan des ersten Todestages von Maskin gedenkt, scheint die Sonne, und der Wind verweht den trockenen Sand zu Kreiseln. Die Gäste haben sich in zwei großen Zelten versammelt, Männer und Jungen in einem, Frauen und Mädchen …

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