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The week

from 12. until 18. January 2017

Polizei

Schnell ermittelt

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Foto: Getty Images

Bei den Personen, die in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof kontrolliert wurden, habe es sich fast ausschließlich um Nordafrikaner gehandelt, sagte kurz nach Neujahr der Polizeipräsident. Die Republik debattierte über aggressive nordafrikanische Intensivtäter und lobte die Polizeiarbeit. Wer sich kritisch äußerte, kassierte einen Shitstorm. Fakten wollte niemand abwarten, nun liegen sie vor: 674 Menschen wurden 2500-mal überprüft. Von 425 Personen konnte bisher die Nationalität festgestellt werden. Es waren 99 Iraker, 94 Syrer, 48 Afghanen, 46 Deutsche, 17 Marokkaner und 13 Algerier. Keiner von ihnen war im Vorjahr an Silvester in Köln. Martina Mescher

Brexit

Auf die harte Tour

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Foto: Getty Images

Das Mantra von Großbritanniens Premierministerin Theresa May (Foto) lautete monatelang „Brexit heißt Brexit“. Viel konkreter wurde sie nicht, wenn es um das Ausstiegsszenario aus der EU ging. Nun ließ sie den Floskeln klare Ansagen folgen. In einer Grundsatzrede stellte May einen Zwölf-Punkte-Plan vor. „Wir streben nicht danach, an Häppchen der Mitgliedschaft festzuhalten“, sagte sie. Die britische Regierung will einen vollständigen Austritt, auch aus dem gemeinsamen Binnenmarkt. Die Briten würden damit die EU-Personenfreizügigkeit beenden. Der Warenaustausch mit der EU soll natürlich trotzdem florieren, May will ein Freihandelsabkommen aushandeln. Martina Mescher

Antidiskriminierung

Toleranter als die Politik

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Foto: Imago

Die Bevölkerung ist der Politik voraus – das zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. 83 Prozent der Deutschen sind für die Ehe für alle. Dass Homosexuellen ein Adoptionsrecht zustehen sollte, finden 76 Prozent. Trotzdem gibt es auch Homosexuellenfeindlichkeit, aber die zeigt sich subtiler. 44 Prozent etwa sind der Ansicht, Homosexuelle sollten damit aufhören, „so einen Wirbel um ihre Sexualität zu machen“. Der rot-rot-grüne Koalitionsvertrag der neuen Berliner Landesregierung sieht das anders. Unter dem Stichwort „Regenbogenhauptstadt“ wurde ein progressives Programm festgeschrieben, um sexuelle Vielfalt zu fördern. Juliane Löffler

Nordirland

Alte neue Feinde

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Foto: Getty Images

Mit dem Streit über ein Förderprogramm für erneuerbare Energien, bei dem Geld verschwendet worden sein soll, fing alles an. Die mitregierende katholisch-irische Sinn Féin forderte, Regierungschefin Arlene Foster von der protestantischen DUP solle ihr Amt ruhen lassen. Weil sie das nicht tat, trat ihr katholischer Stellvertreter, Martin McGuinness, zurück. Nach dem Karfreitagsabkommen von 1998 müssen die ehemals verfeindeten Lager des Nordirlandkonflikts gemeinsam eine Regierung bilden. Deshalb wird das Parlament aufgelöst, im März wird neu gewählt. Das Timing ist desaströs, die Nordiren sind gegen den Brexit, aber ohne handlungsfähige Regierung können sie nicht mitverhandeln. Martina Mescher

Sexualisierte Gewalt

Pädokriminelle online

Der Unabhängige Beauftragte gegen sexuellen Kindesmissbrauch macht auf Risiken für Kinder und Jugendliche im Netz aufmerksam. „Für Täter ist das Smartphone das ultimative Tatmittel. Es erlaubt den unmittelbaren und ungestörten Kontakt zu Opfern“, hieß es auf einer Fachtagung zum Thema. 728.000 Erwachsene stehen nach einer Hochrechnung mit Kindern über das Netz in sexualisiertem Kontakt. Der Beauftragte Johannes-Wilhelm Rörig kritisierte die unbedarfte Digitalstrategie der Bundesregierung für Schulen: „Es darf nicht sein, dass nur Hardware in die Schulen kommt. Schüler müssen auch lernen, sich gegen Cybergrooming und Missbrauch im Netz zu wehren.“ Christian Füller