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Nachtbruder

Wolfgang Hilbig war ein in vieler Hinsicht rätselhafter Dichter. Zehn Jahre nach seinem Tod hat Michael Opitz die erste Biografie vorgelegt. Fast 50 Archivkästen des Nachlasses und die Hilbig-Sammlung der Berliner Akademie der Künste hat der Literaturwissenschaftler durchforstet, viele unveröffentlichte Manuskripte und Briefe ausgewertet. Leider unberücksichtigt blieb beim Verfassen der Biografie der Essay Der Gottesbeweis von Natascha Wodin von 2008. Wodin, die mit Hilbig dreizehn Jahre zusammengelebt hat, stellt hier die Kernfrage: Woher hatte dieser „unter Sprachlosen“ Aufgewachsene die poetische Sprache? Er konnte sie, so ihre Antwort, „nicht in der Umgebung gelernt haben, aus der er kam“, denn dort sei ihm „nie etwas anderes zu Ohren gekommen als der sächsische Dialekt der Arbeiter…

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