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The week

from 5. until 11. January 2017

Gewerkschaft

Deutschland streikt

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Foto: Getty Images

Eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) über Arbeitskämpfe sorgt für Hoffnung. Lange musste man befürchten, streiken könnten nur die Gewerkschaften in den Nachbarländern, aber so langsam verzeichnet auch die Streikkultur hierzulande Fortschritte. Das IW verzeichnet für die Jahre zwischen 2008 und 2014 im Durchschnitt 151 Streiks, zwischen 2004 und 2007 waren es im Mittel nur magere 70 Ausstände. Offensichtlich lässt die Wirkung der Hartz-IV-Drohkulisse langsam nach. Vor allem Verdi feiert Erfolge, das IW klagt über die „expansive Tarifpolitik“ der Gewerkschaft. Man reagiere nur auf die „Tarifflucht der Arbeitgeber“, kontert Verdi. Martina Mescher

Afghanistan

Trilateraler Vorstoß

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Foto: Getty Images

Russland, China und Pakistan haben sich in einer gemeinsamen Initiative darauf verständigt, einige Taliban-Führer nicht länger mit Sanktionen zu belegen. Dazu wird eine trilaterale Arbeitsgruppe gebildet, zu der auf Wunsch Moskaus bald auch Indien gehören soll. Die Regierung in Kabul hat darauf befremdet reagiert. Sie sei bisher nicht einbezogen. Die Aufständischen selbst quittierten den Vorstoß teilweise positiv, da sie als „relevante politische Kraft“ nicht länger übergangen werden dürften. Derzeit sehen sich die Taliban der verstärkten Rivalität afghanischer IS-Gruppen gegenüber, die mit der Islamischen Bewegung Usbekistan das Kalifat Khorasan errichten wollen. Lutz Herden

Gleichstellung

Spitzenquote

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Foto: Imago

Die Vorstände großer deutscher Unternehmen sind männerdominiert. In 76 Prozent der Gremien findet sich keine einzige Frau. 630 Männer sitzen in den Vorständen der 160 DAX-Konzerne, ihnen stehen 45 Frauen gegenüber. Das sind exakt sechs Frauen mehr als im Vorjahr. Diese bescheidene Bilanz wird als politischer Erfolg bejubelt. Im Mai ist das Gesetz für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen in Kraft getreten. Eine gesetzliche Quote für Vorstände gibt es allerdings immer noch nicht. Die Wirtschaftswelt kann also weiterhin das Schneckentempo vorlegen, wenn es darum geht, Frauen in ihre Vorstände zu berufen. Martina Mescher

Türkei

Lebenslänglich

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Foto: Getty Images

Die beiden Offiziere aus der nordöstlichen Garnison Erzurum hatten stets beteuert, unschuldig zu sein. Am 15. Juli 2016 seien sie weder an der Rebellion gegen Präsident Erdoğan beteiligt gewesen, noch hätten sie je Kontakte zur Gülen-Bewegung unterhalten. Doch der Prozess am Stationierungsort war als Musterverfahren gedacht, ein hartes Urteil unausweichlich. So wurden die beiden Angeklagten zu lebenslanger Haft verurteilt, was die Richter mit mutmaßlich begangenem Verfassungsbruch begründeten. In den nächsten Wochen dürfte es viele solcher Tribunale geben. Fast 1.000 Offiziere warten auf ihren Prozess. Es ist mit einer nie dagewesenen Säuberung der Armee zu rechnen. Lutz Herden

Studium

Nicht ohne Eltern

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Die Verkürzung der Gymnasialzeit zeigt Wirkung, das statistische Bundesamt hat festgestellt: Die Zahl der minderjährigen Studierenden ist gestiegen. Das beschert nicht nur den Jugendlichen Probleme beim Einstieg ins lustige Studentenleben, sondern auch den Unis. Der Mietvertrag für das WG-Zimmer, der Schnaps auf der Uni-Party, die Exkursion mit dem Seminar – ohne Vollmacht der Eltern geht nichts. Theoretisch dürften Minderjährige nicht einmal eigenmächtig einen Bibliotheksausweis ordern oder sich für eine Prüfung anmelden. Einige Bundesländer haben inzwischen schon ihre Hochschulgesetze geändert, um den Stress mit den Eltern in Grenzen zu halten. Martina Mescher