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Private Ear

Man stelle sich ein Gefängnis vor, das noch nie jemand gesehen hat, der dort festgehalten wurde. Verhaftete kommen mit verbundenen Augen an und verschwinden dann im Dunkeln. Die räumliche Desorientierung wird ergänzt durch eine gnadenlose Logik des Entzugs – nicht nur der Sichtbarkeit, sondern auch des Sehens. Bei jedem Kontakt mit den Wärtern sind die Augen der Insassen verbunden oder sie müssen mit den Händen bedeckt sein. Die Regeln verlangen absolute Stille.

Das syrische Gefängnis Saydnaya liegt etwa 25 Kilometer nördlich von Damaskus in der Wüste. Es ist nicht nur ein Ort, an dem brutal gefoltert wird – das Gebäude selbst, sagt Eyal Weizman, ist ein Folterinstrument. Weizman ist Direktor von Forensic Architecture, einem der Universität von London angeschlossenen Institut, das mit n…

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